Mittwoch, 24. Juni 2015


Meine Wanderwoche auf dem Jagststeig   
Waldmensch im Jagsttal

Meine Wanderwoche "Wandern ohne Gepäck" führte mich dieses Mal auf den Kocher-Jagststeig-Trail, durchgeführt vom Hohenlohe + Schwäbisch Hall Tourismus e.V.Information und Organisation durch Frau Carle vom  Tourismusverein klappte hervorragend. Ich fühlte mich sehr gut betreut.

Seit meiner letzten Wanderung auf dem Remstal Höhenweg waren 3 Jahre vergangen und ich war gespannt,  ob sich mein Alter von 74 Jahren bemerkbar machte. Ich hatte mir die Strecke von Kirchberg nach Ellwangen ausgesucht und in 5 Etappen aufgeteilt:
Kirchberg-Crailsheim, Crailsheim-Neuhaus, Neuhaus-Fichtenau Wildenstein,Wildenstein-Stimpfach-Rechenberg und Rechenberg-Ellwangen.

Meine Anfahrt nach Kirchberg an der Jagst erfolgte an Christi Himmelfahrt oder  "Vatertag", also einem Feiertag. Es war der 14.Mai 2015 und meine Bahnfahrt endete in Crailsheim. Nach Kirchberg gab es keine Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Rufbus rentiert sich für eine Person nicht! Daher hatte mir das Ehepaar Bagusch, Besitzer des Landhotels Kirchberg, meiner ersten Unterkunft, angeboten, mich abzuholen. Und jetzt habe ich erlebt, was wahre Kundenfreundlichkeit ist: sie fuhren 2mal kostenlos nach Crailsheim, weil ich den falschen Ausgang genommen hatte, und wir erst über Handy meinen Standort klären mußten.

Das Landhotel Kirchberg ist ein sehr gepflegtes, gästefreundliches Haus mit einer, auch offiziell, ausgezeichneter Küche. Und zu meiner Freude mit kostenlosem WLAN ausgestattet.


im Hofgarten
Nach meiner Ankunft stärkte ich mich in dem schönangelegten Biergarten mit Kaffee und einem herrlichen Pflaumensorbet und brach dann nach Kirchberg auf - ein Spaziergang von ca. 20 Min. durch Blumenwiesen an einem alten Friedhof vorbei zum barocken Hofgarten in dem ehemaligen hohenlohischen Residenzstädtchen.(1245). Das prächtige Renaissanceschloß und die malerische Altstadt mit ihrem Wahrzeichen, dem 45m hohen Stadtturm (1400) und dem Stadttor von 1774 liegen auf einem langgestreckten Bergrücken über der Jagst. Ich genoß daher auf meinem Rundgang an der Stadtmauer entlang den herrlichen Ausblick ins Jagsttal.
an der Stadtmauer

Renaissanceschloß
Stadttor und Stadtturm
Ausstellungsmann



Ev.Stadtkirche Kirchberg









Am nächsten Tag begann meine erste Etappe von Kirchberg nach Crailsheim mit einer tollen Überraschung. Meine Freundin aus Waldenburg wollte mich begleiten, und so machten wir uns auf den Weg, mit allen Regenutensilien ausgestattet, die wir hatten, denn es war Regen, Regen, Regen...angesagt!

Die Wirklichkeit sah glücklicherweise ganz anders aus! Wir stiegen bei warmem
Burg Hornberg


Dorf und Burg Hornberg
Sonnenschein aus dem Jagsttal auf zur Burg und Dorf Hornberg und genossen von unserer nächsten Station, der Villa Schöneck, einen atemberaubenden Ausblick auf  Kirchberg.

 Unser nächstes Ziel war Mistlau. Wir erreichten  den kleinen Ort durch Wälder mit blühenden Bärlauchteppichen, an Muschelkalkaufschlüssen vorbei bis wir wieder ins Jagsttal abstiegen, dort wo sich das Tal  weitete und dem Ort Platz machte. Hier besichtigten wir die spätmittelalterliche Nikolauskirche, die als kleines Benediktinerkloster im Jahre 1282 gegründet und 1400 vergrößert wurde.  Zu dieser Zeit wurden wohl auch die ersten Freskenmalereien angebracht. Bei der Renovierung der Kirche um 1427-29 wurde dann der Chor mit den ausdrucksstarken und gut erhaltenen Fresken, die noch heute zu bewundern sind, ausgemalt.
Wer die Kirche besichtigen will, muß den Schlüssel beim Mesner, Herrn Hermann Leidig, abholen.
Wir wanderten bei herrlichem Sonnenschein weiter ins wildromantische Jagsttal. Vor einem geologisch interessanten Muschelkalkfelsen machten wir Rast und genossen das Rauschen der neben uns fließenden Jagst. Dann folgten wir dem Fluß bis zur ehemaliegen Heinzenmühle, wo ein überdachter Holzsteg, der Ockenauer Steg, die Jagst überquert, an Neidenfels und  später der Weidenhäuser Mühle vorbei und erreichten dann über weite blühende Blumenwiesen den Reiterhof Auhof. Hier wartete der Mann meiner Freundin mit dem Auto auf uns und wir waren nach 7 Stunden Wanderung sehr froh, Crailsheim auf bequemen Weg zu erreichen.
Im Hotel Post-Faber bin ich - trotz Ruhetag - sehr freundlich und entgegenkommend begrüßt worden. Mein Zimmer war top ausgestattet, und ich verbrachte eine ruhige und entspannte Nacht.
Blick auf Kirchberg

Mistlau Nikolauskirche
                                           

                                                     Freskenmalerei in der Nikolauskirche
Symbole der 4 Evangelisten
Bischof Nikolaus auf dem Sterbebett
                                                                                                            

aus dem Leben Jesu
Bärlauchfelder
                                                 
                                                        
Heinzenmühle
                  
Holzsteg an der Heinzenmühle
Meine zweite Etappe von Crailsheim nach Neuhaus begann daher gut ausgeschlafen mit einer Besichtigung der Stadt. Da war es sehr günstig, daß das Hotel am Marktplatz lag und ich zum Abschied  von den Besitzern, dem Ehepaar Weeber, sehr gut beraten und informiert wurde.
Ich schlenderte über den sonnigen Marktplatz, vorbei am Marktbrunnen mit seinen beiden Marktfrauen, am Rathaus mit dem 57,5 m hohen Rathausturm bis zur Liebfrauenkapelle ,südlich des Rathauses. Sie wurde 1370 erstmals erwähnt. Die heutige Zwiebelhaube mit dem achteckigen Turmgeschoss wurde 1727 errichtet. Im April 1945 ging auch  die Kapelle, wie fast die gesamte Innenstadt , in der "Schlacht um Crailsheim" in Flammen auf und mußte, wie so vieles, neu aufgebaut werden.
Mein Weg führte mich nun zur spätgotischen ev. Stadtpfarrkirche St. Johannes, dem wohl ältest besiedelten Platz im Innenstadtgebiet (fränkischer Reihengräberfriedhof im 7.Jhrd.) Sie hatte 2 Vorgängerkirchen und die heutige stammt aus den Jahren 1398 und 1440. Ich hatte Glück, den die Kirche war für eine Hochzeit geöffnet und so konnte ich den großen Passionsaltar im Chor der Kirche mit den wertvollen Holzfiguren im Schrein und den kunsthistorisch bedeutenden Altarbildern ausgiebig bewundern. Die Bilder stammen aus der Werkstatt von Michael Wolgemut, dem Lehrer Albrecht Dürers. Nürnberg, Ende des 15.Jhrd. Bemerkenswert ist auch das 12m hohe Sakramentshäuschen von 1499 und die aus dem Jahre 1709 stammende Orgel.

Nach dieser eindrucksvollen Kirchenbesichtigung ging es weiter zum Spital zum hl. Geist. Ich spazierte durch das sehr schöne historische Bauensemble von spätgotischer Spitalkapelle von 1425, den zwei alten Pfründnerhäusern und das wieder entdeckte Spitalbad. Heute ist hier das Stadtmuseum untergebracht.
ich ging zurück zur Innenstadt und erreichte die Stadtmauer mit dem "Diebsturm", der in die Stauferzeit zurückreicht und wohl der Bergfried einer Wasserburg war. Er wurde  nicht nur zur Stadtbefestigung genutzt, sondern auch als Gefängnis.
Weiter ging ich am Alten Friedhof vorbei, der früher als Pestfriedhof angelegt wurde und heute restaurierte Grabmäler aus dem 18. und 19. Jhrd. ausweist.

Was mich an der Stadt Crailsheim wirklich positiv überraschte, waren die vielen, sehr gepflegten Grünanlagen mit herrlichem Baumbestand, die sich durch und um die gesamte Stadt zogen. Schon 1754 wurden die Stadtgräben in Gärten umgewandelt. Vielleicht war das die Grundlage für die vielen grünen Stadtoasen.

Langsam verließ ich die Stadt und stieg zum Kreckelberg auf mit herrlichen Ausblicken auf Crailsheim, die Frankenhöhe, den Burgberg und die Ostalb. Oben angekommen, erwartete mich die ehemalige "Villa" und die Büste von Hofrat Dr. Richard Blezinger, dem Ehrenbürger der Stadt Crailsheim von 1895. Er war ein berühmter Fossiliensammler und Apotheker.
Nach einer kurzen Rast am Mammutbaum und neben der Beschreibungstafel des Schöneburgs, einer abgegangenen Höhenburg, zog ich weiter in Richtung Neusaß.

Ehepaar Weeber vom Post-Faber Hotel
Liebfrauenkapelle und Rathausturm
St.Johannes Kirche

Innenraum der Johannes Kirche
Innenraum der St.Johannes Kirche
Bildunterschrift hinzufügen
Passionsaltar in der St.Johannes Kirche





Blick auf Crailsheim


Schönebürg



 
Der Weg führte mich am Hang des Kreckelberges entlang durch das Naturschutzgebiet Eichwald mit seinem herrlichen Baumbestand zur  Walderholungsanlage Schönebürg mit großem Abenteuerspiel- und Grillplatz und vielen Ruhebänken. Ich legte eine kurze Rast ein und beobachtete das bunte Treiben ehe ich meinen Weg über die Crailsheimer Hart wieder aufnahm und durch die Wälder im Bereich der europäischen Hauptwasserscheide nach ca. 4 Stunden den Gasthof Neuhaus erreichte.
Hier erwartete mich ein altes, sehr schönes Fachwerkgebäude. Es liegt an der früheren Handelsstraße von Dinkelsbühl nach Crailsheim und diente als Station für die durchreisenden Fuhrleute.
Mein Zimmer war ebenfalls im Fachwerkstil gehalten, geräumig und freundlich. Leider war es ausgeprochen kalt (ebenso wie Toilette und Dusche auf dem Flur) und bekam erst auf meine Nachfrage hin gegen 22 Uhr eine Abdunklungs- und Heizmöglichkeit. Das war etwas unverständlich, da ich als Frühbucherin schon lange angemeldet war. Dagegen war das Essen in der gemütlichen Gaststube ein voller Genuss und die Freundlichkeit des Besitzers sehr herzlich.

Neuhaus mit Biergarten im Hintergrund

mein Zimmer im Gasthof Neuhaus
                                           
Gasthof Neuhaus mit Nebengebäude mit Gästezimmern


Am nächsten Morgen machte ich mich auf zu meiner dritten Etappe von Neuhaus nach Fichtenau-Wildenstein. Sie begann wieder bei sonnigem Wetter,  führte durch  wunderschöne Blumenwiesen und Streuobstanlagen  und stieg nach Durchquerung des Ortes Mistlau zum Waldrand auf. Vom Waldsaum aus hatte ich schöne Einblicke in das Reiglersbachtal, kam oberhalb an der Sixenmühle vorbei und erreichte nach einem Aufstieg durch Wald die Rodungsfläche von Großenhub. Auf sonniger Höhe blies mir der Wind recht kräftig Kühlung zu, und ich machte auf einem kleine Rastplatz am Waldrand Mittagspause
.Danach gings gestärkt an zwei Wegkreuzen vorbei am Ortsrand entlang durch Felder und Wiesen wieder an den Waldrand . Ich überquerte ein Bächlein und umrundete einen idyllischen Weiher ehe ich über Waldwege die Ortschaft Gunzach erreichte. Da ich vom "rechten" Weg abgekommen war, folgte ich von hier der Straße, überquerte die Autobahn und stieg nach Wildenstein auf. 
Nach ca. 6 Stunden Wanderung wurde ich im Landgasthof "Zum Hirsch" mit Kaffee und Kuchen sehr freundlich empfangen.Dem Gasthof ist eine Metzgerei angeschlossen und so wurde ich mit regionalen Produkten verwöhnt. Mein Zimmer war gut ausgestattet, freundlich und ruhig.
Das Schloß Wildenstein stammt aus dem 17. Jahrhundert, gehörte früher zu einem Rittergut und ist leider nicht begehbar.
Wegekreuz

Blumenwiesen um Großenhub


Landgasthof "Zum Hirsch"

Schloß Wildenstein

Meine vierte Etappe von Wildenstein nach Stimpfach-Rechenberg führte durch die Wälder des Virngrundes, eine sehr abwechslungsreiche Landschaft, Ich kam an zahlreichen Mühlen und Weihern vorbei und die blühenden Wiesen begleiteten mich. An der noch erhaltenen Buchmühle gabelte sich der Weg, sodaß ich die sonnige Wiesenlandschaft verließ und in den sehr ursprünglichen Wald eines Naturschutzgebietes wechselte. Ich genoß diese sehr entspannende Wanderung bei angenehm warmer Temperatur mit erfrischend kühler Brise. Nach 4 Stunden erreichte ich die ehemalige Hammerschmiede, heute eine sehr schön angelegte Wellnessoase, kurz vor Riegersheim. Ich stieg zum Ort auf und kam nach einiger Zeit zu dem romantisch gelegenen  Weiher unterhalb von Rechenberg. Von dort bot sich mir ein wunderschöner Anblick auf Schloß und Kirche auf der vor mir liegenden Anhöhe.

 





 
Rechenberg
 Ich kletterte die über 80 Stufen nach Rechenberg hoch, um zu meinem Hotel, dem Landgasthof Rössle, einem Tagungscenter, zu gelangen. Auch hier erlebte ich einen  zuvorkommenden  Service und bekam ein schönes, ruhiges Zimmer. Abends wurde im   gepflegten Biergarten gegrillt.
Landgasthof Rössle
Blick aus meinem Zimmer auf Schloß und Schloßkirche



Allerdings wollte ich mir diese Stärkung erst verdienen und besuchte das ehemalige Schloß. Der frühe Teil des Baus stammt aus dem 16. Jhrd. mit gotischem Fenster und erneuertem Fachwerkaufsatz, der neuere Teil stammt von 1571 mit  Torbau und Achteckturm. Die Herren von Rechenberg erbauten es Anfang des 13.Jhrd., anschließend wechselten die Besitzer recht häufig bis es 1840 an den Staat, von diesem an die Gemeinde verkauft wurde. Diese richtete  Rathaus und Schule darin ein. Seit 1966 gehört das Schloß dem Jugendherbergswerk und kann bis zu 90 Jugendliche aufnehmen.
Ich traf  auf den Herbergsvater, der mir bei einem großen spendierten Pott Kaffee  etwas von der Geschichte und dem Betrieb erzählte.Von ihm erhielt ich auch die Adresse des sehr netten Mesners, Herrn Köhnlein, um mir den Schlüssel zur Schloßkirche zu besorgen.  Diese wurde 1619/20 von den Gebrüdern Melchior Reinhardt und Ulrich Christof zu Berlichingen, einem Urenkel des Götz von Berlichingen, erbaut. Sie wurde die Grabkirche der Herren von Berlichingen. Die Einheit von Altar, Taufstein und Kanzel zeigen den Ansbacher Stil (Markgrafenstil). 1780 wurde sie  im Rokokostil erneuert und vom Maler Johannes Nieberlein aus Ellwangen ausgemalt.

Schloß Rechenberg
Kirchenraum der Ev. Schloßkirche
                                                       
Deckenausmalung


Orgel und Teile einer Bilderfibel




Teil einer Freskenmalerei
                               Ich war von der kleinen Schloßkirche sehr beeindruckt und konnte mir gut vorstellen, wie wirkungsvoll die Musik der Trochinger Musikakademie, die hier alle paar Jahre Gast ist, den Raum ausfüllt.

Ich kehrte sehr zufrieden in mein Hotel zurück und erlebte dort noch einen sehr schönen, erholsamen Abend.

Am nächsten Morgen begann die fünfte und letzte Etappe meiner Wanderung von Rechenberg nach Ellwangen. Es ging weiter durch die weitläufigen Wälder des
Walldürner Blutbild
Virngrundes. Ich überquerte Bächlein, kam an stillen Weihern vorbei und erreichte über einen fast abenteuerlich anmutenden Weg, bedeckt mit Hölzern und einem ausgedehnten Moosteppich einen Graben, der zur Stockensägemühle führte. Hier legte ich nach stundenlanger Wanderung bei recht kühlem Wetter eine Pause ein und orientierte mich anhand meiner Wanderkarte und dem Jagsteigführer, wie der Weg weitergehen sollte. Ich fand aber keinen Zugang. Eigentlich sollte es über eine Brücke in den Wald gehen. Aber ich stand nach der Brücke vor einer steilen, verwurzelten Sandwand, die ich unmöglich erklimmen konnte. So ging ich zurück zum Fahrsträßlein und hielt nach weiteren vergeblichen Suchmanövern das Auto eines Försters an. Er berichtete, daß der richtige Zugang zugewachsen war und die Sandwand den Kindern und Jugendlichen von der Familienerholung in der Stockensägemühle als Kletterwand und Rutschbahn diente. Freundlich und hilfsbereit, nahm er mich bis zu meinem nächsten Zwischenziel, den Ort Rindelbach , mit. Von hier lief ich, immer an der Jagst entlang, gerade zu nach Ellwangen.
Stocksägemühle


Türschild Stocksägemühle


 
Jagst bei Rindelbach

  Auf meinem Weg dorthin traf ich auf die Eichkapelle Rindelbach, einer kleinen Wallfahrtskapelle, die 1498 erbaut wurde. Sie steht an der Eichquelle, deren Wasser zur Heilung und Linderung von Augenleiden genutzt wurde.Zum Gnadenbild der Kapelle kamen die  Wallfahrer mit ihren Fürbitten. Bemerkenswert ist auch das wunderschöne barocke Eisengitter vor dem Altarraum. 

Eichkapelle

Eichquelle
zwei von drei Altären


Pieta
Gasthof Kronprinzen

Nach dieser sehr schönen Kapellenbesichtigung setzte ich meinen Weg nach Ellwangen fort, wo ich nach ca. 6 Stunden Wanderzeit im Gasthof Kronprinzen eintraf.Der Gasthof liegt sehr zentral, sowohl nur einige Minuten vom Bahnhof tals auch vom Zentrum, dem Marktplatz, entfernt. Der Empfang war freundlich distanziert und etwas gewöhnungsbedürftig. In den übrigen Hotels war es selbstverständlich, daß mein Trolley aufs Zimmer gebracht wurde, hier nicht. Ich mußte erst darum bitten, mir die zwei Treppen hinauf zu helfen und merkte, daß dies nicht gern gesehen wurde. Mein Zimmer war einfach ausgestattet, aber freundlich und sauber. Das Essen war wie überalle auf meiner Wanderung ausgezeichnet und preiswert.
Ich erholte mich ein wenig und machte mich dann auf zu einer Stadtbesichtigung. Die fiel wesentlich umfangreicher aus als geplant, da ich durch die Mitnahme durch den netten Förster doch etliche Kilometer und damit Zeit eingespart hatte.
Auf meinem Rundgang durch die Innenstadt bewunderte ich das geschlossenen Stadtbild , in dem die neueren Gebäude sehr gut mit den alten Bürger- und Adelshäuserharmonieren.. Besonders hervorzuheben ist der Prachtbau des Palais Adelmann, 1688 von den Freiherren und späteren Grafen von Adelmann erbaut. Seit 1991 ist es das Kulturhaus der Stadt. Da der ehemalige Palaisgarten erst im Sommer geöffnet ist, genoß ich ein wundervolles Eis in einem kleinen, schnuckelichen italienischen Eiscafe in der Einkaufsstraße von Ellwangen. Es war Krämermarkt und zu meiner Verwunderung mit sehr wenigen Besuchern.
Basilika St.Vitus

spätromanisches Hauptportal von St.Vitus

Zurück zum Marktplatz besuchte ich die ehrwürdige Basilika St.Veit, deren 3 romanische Türme das Wahrzeichen der Stadt sind. Sie ist ein bedeutender spätromanischer Bau, der  1233 geweiht und von 1737-1741 barockisiert wurde. Die Kirche ist aus einer benediktinischen Klostergründung fränkischer Adliger 764 hervorgegangen. Aus der Zeit stammen auch die Reliquien von 16 Märtyrern, den sog. Stiftsheiligen. Der romanische Stil der Basilika überdauerte in den klassischen Maßen und Formen der staufischen Epoche die Jahrhunderte. Auch der Innenraum hat trotz der Barockisierung  seine romanischen Wesensmerkmale (Pfeiler, Gewölbe) nicht eingebüßt.
Basilika St.Vitus

Blick in dieNepomukkapelle
Vitusschrein u.Bronzetafel mit Klostergründern

dreischiffige Hallenkrypta mit karolingischem Reliquienkästchen von 806




die 16 Stifterheiligen

Bronzetafel Madonna
  

                                
                          
  
Spätbarocke Orgel 1776

Spätgotischer Kreuzgang von 1468/1473



Liebfrauenkapelle vollendet 1473 mit Steinmadonna um 1350
mit dem Grag des Jesuitenpaters Philipp Jenninger









Steinmadonna um 1350, unter Bauschutt gefunden

























Nach meinem Rundgang durch die Basilika kam ich durch die ökumenische Tür in die
baulich verbundene Ev.Stadtkirche, bis 1802 Jesuitenkirche. Die Tür war fast 200 Jahre geschlossen und ist erst wieder seit 1999, dem ökumenischen Jahr, geöffnet. Auffallend und für mich sehr überraschend ist die im Chorfresko gemalte Scheinarchitektur. Sie täuscht eine vollendete Raumperspektive vor. Außen glänzt die Stadtkirche durch eine schöne barocke  Fassade.
Durchgang von der Basilika und der Ev.Stadtkirche
Ev.Stadtkirche

Ev.Stadtkirche Chor
Ev.Stadtkirche




Ich ging sehr erfüllt von den vielen Eindrücken in den Kronprinzen zurück und freute mich auf den nächsten Tag, an dem ich Schloss und Wallfahrtskirche besichtigen wollte.
Beim Abendessen erfuhr ich dann, daß die Bahn in dieser Nacht den nächsten Streik beginnen wollte. So ging ich zum Bahnhof , um mich zu informieren. Ich mußte feststellen, daß in Kürze der letzte Zug fahren würde, der mich sicher und  pünktlich nach Hause bringen würde. Und so brach ich meinen Aufenthalt in Ellwangen mit großem Bedauern vorzeitig ab und war froh, daß ich doch einige Schönheiten von "Unserer Guten Stadt" erleben konnte. (Dieser Ehrentitel wurde Ellwangen 1811 vom württembergischen König Friedrich verliehen).

Fazit:
Meine Wandertage waren reizvoll, abwechslungsreich, mit einigen Herausforderungen angereichert und ....ohne einen Tropfen Regen.
- Die Ausschilderungen des Jagststeiges sind überwiegend gut aufgestellt; nur manchmal sind die Pfeile mißverständlich in der Richtunganzeige, sodaß sie mir einige Umwege und Unsicherheiten einbrachten. 
- Der Flyer PocketGuide Jagststeig ist als Wegbeschreibung zu ungenau. 
- Die Wege waren zum allergrößten Teil gut zu begehen. Trotzdem ist gutes Schuhwerk unerläßlich, vorallem für Trittpfade, verwurzelte oder steinige Wege oder die sog. Waldarbeiterwege.
- Den Schwierigkeitsgrad der Strecken habe ich sehr unterschiedlich erlebt. Die anspruchsvollste Strecke war für mich die Strecke von  Kirchberg nach Crailsheim, da sie häufig bergab und bergauf ging.
- Die Unterbringung war überwiegend sehr gut, der Service freundlich bis richtig herzlich und zuvorkommend.
- Essen und Trinken mundeten ohne Ausnahme ausgezeichnet und  waren trotzdem erheblich preiswerter als im Remstal.

Ich fuhr daher sehr zufrieden und reich an neuen, schönen und eindrucksvollen Erlebnissen und Erfahrungen nach Hause und war sehr dankbar, daß ich diese Tage auch körperlich gut meistern konnte.